Der Unglaubliche Hulk

Der Unglaubliche Hulk - Wertungen, Meinungen und Reviews der Spieler

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  01.06.2008

Mega wütender grüner Hüne

Es ist ein Fass ohne Boden und auf Dauer ein ziemlich ätzendes dazu: Umsetzungen bekannter Kinofilme oder TV-Serien auf eine oder besser gleich alle angesagten Videospielsysteme. Meistens kommt dabei nur Mäßiges heraus, nicht selten sogar richtige Gurken. Fast schon glücklich darf man daher sein, findet man ein zumindest durchschnittliches Game vor, doch das kann es ja nun eigentlich nicht wirklich sein. Überaus pessimistisch trat ich demnach „The Incredible Hulk – Ultimate Destruction“ gegenüber, einer echten Comic-Größe, entwickelt nunmehr als Videospiel von Vivendi und auf den Markt geschmissen im Jahr 2005 für die Playstation 2. Dass ein Mehrspielermodus keinerlei Berücksichtigung fand, schicke ich gleich vorweg, ebenso fehlt eine Online-Anbindung, doch beim Actiongenre überrascht dies nicht besonders, ist eher (immer noch) Standard. Es gibt aber noch ganz andere Dinge, die nicht ganz so wahnsinnig doll sind, aber immerhin auch das ein oder andere Positive, was letztlich dafür sorgt, diesen PS2-Titel nicht als Trash bezeichnen zu müssen. „Na immerhin“, könnte man sarkastisch sagen. Wie dem auch sei, ausschließlich eingefleischte Actionfans, die dem grünen Hulk etwas abgewinnen können, kommen als Zielgruppe in Frage.


Bruce Banner ist der eigentliche Name von Hulk und eigentlich ein ganz netter Kerl, es sei denn, er wird wütend. Seines Zeichens ein engagierter Wissenschaftler ist er nach wie vor auf der Suche nach der Heilung seines Problems. Eigentlich ganz und gar nicht cholerisch veranlagt, schwinden ihm im Ernstfall seine Sinne und er mutiert im wahrsten Sinne des Wortes zu einem riesigen grünen Hünen, bei dem das Attribut „Bärenkräfte“ noch maßlos untertrieben sind. Seine Wut und Zerstörungswut sind unermesslich hoch und auch in „Ultimate Destruction“ ist wirklich nichts vor seinen Aggressionen sicher, das sich im näheren Umkreis befindet. Einen direkten Bezug zu einem Film gibt es vom Inhaltlichen nicht, aber seien wir ehrlich: dies war ohnehin eigentlich nie notwendig, die Story an sich ohnehin nebensächlich. Diesmal bekommt eine komplette Großstadt zu spüren, was es heißt, Hulk in seinen Gassen zu haben und diesmal ist es tiefe Nacht. Bruce ist beharrlich, was das Aufspüren eines Heilmittels angeht, aber lästigerweise überkommt ihn immer wieder aufs Neue ein Wutanfall mit den bekannten nicht ganz unerheblichen Begleiterscheinungen. Ganze Autos, Busse, LKWs, Laternen, Ampelanlagen, Generatoren und sogar Häuserblöcke werden von ihm auseinander genommen, im Grunde bleibt letztlich kein Stein mehr auf dem anderen. Nichts ist mehr wie es vorher war, hat Hulk einmal seine Visitenkarte abgegeben.


Im Grunde haben wir ja auch irgendwo Mitleid mit dem armen Kerl und so verzeihen wir ihm auch – und somit uns – dass der Diebstahl eventuell wichtiger Items quasi an der Tagesordnung ist. Eine praktische Übersichtskarte zeigt uns stets brav an, wo sich der nächste Schauplatz befindet, in dem wir unsere Teilmissionen erledigen dürfen und auch Bonusaufträge sind erfreulicherweise mit von der Partie. Damit keine Langeweile aufkommt wechseln sich jene Ich-lege-alles-in-Schutt-und-Asche-Missionen mit Checkpointrennen unter Zeitdruck oder eben Spezialaufträgen ab, so zum Beispiel der Transport eines Krankenwagens ins Krankenhaus: und das mit bloßen Händen, versteht sich. Weiterhin sollten wir darauf aufpassen, wo wir genau zuschlagen, denn die örtliche Polizei sieht es gar nicht gerne, wenn wir unschuldige Passanten verdreschen oder Sachbeschädigung betreiben: und genau das tun wir ja fast andauernd. In Windeseile klettern wir auf der Fahndungsliste der Polizei ganz weit nach oben, Unmengen an Polizeiwagen heften sich an unsere Fersen und schließlich machen High-Tech-Helikopter hartnäckig Jagd auf uns. Natürlich wetzen wir mit Riesenschritten davon, kraxeln Wolkenkratzer hoch und schmeißen so ganz nebenbei mit Autos oder sogar Panzer nach den Verfolgern. Obelix ist nix dagegen. Haben wir brav alles zu Klump gehauen oder zu Schrott verarbeitet, winken durch das gewonnene Geld weitere Komboattacken, die unser Repertoire erweitern, was das Verteilen „handfester“ Argumente angeht..


Das alles klingt aber wahrscheinlich spannender als es in Wahrheit ist, leider. Denn unterhaltsam ist die rabiate Action zumindest kurzfristig schon, aber auf Dauer wird es schrecklich monoton, zumal Anspruch generell ein Fremdwort ist. Wir vermöbeln alles, was nach Feind aussieht und dies wirklich ohne Sinn und Verstand, ohne jegliche Taktik, wetzen nach erfolgreicher Arbeit zum nächsten Auftrag, starren auf die Übersichtskarte, laufen zum nächsten Schauplatz und beginnen das Massengeklöppe von vorne. Quasi bis zur Besinnungslosigkeit. Viel Bewegungsfreiraum wird uns dabei auch nicht gewährt, darüber können weder die frei begehbare 3D-Großstadt noch die Bonusmissionen hinwegtäuschen. Früher oder später müssen wir an Ort A oder B eintreffen, ansonsten geht es einfach nicht weiter. Darf es dann weitergehen, nerven allerdings teils heftige Ladezeiten, hoppla, das sollte eigentlich längst der Vergangenheit angehören. Dachte ich eigentlich, naiv wie ich bin.


In sowohl optischer als auch akustischer Hinsicht wird uns leider nur Mittelmaß geboten. Das ist nicht nur schade, sondern einfach zu wenig, erwarte ich doch gerade von einem Actiontitel, dem es in einigen anderen Dingen wie gute Story, Dramaturgie, Tiefgang etc. bereits fehlt, in zumindest diesem Bereich viel, um überhaupt in obere Wertungsregionen vorstoßen zu können. Nur englische Bildschirmtexte sind im vorliegenden Fall nicht ganz so schlimm, versteht man Sinn und Zweck dieser „Veranstaltung“ auch ohne fundierte Englischkenntnisse, schätze ich. Ein 16:9-Breitbildformat finden wir vor, holt aber auch nicht mehr die Kohlen aus dem Feuer, zumal kein 60-Hz-Modus existiert. Highlight ist das Stadtgebiet, welches in der tiefen Nacht gut ausgeleuchtet ist und nicht zuletzt die meistens doch ordentlich in Szene gesetzten Zerstörungsorgien. Unser grüne Hüne sieht erwartungsgemäß, groß aus und lässt auch in optischer Hinsicht deutlich seine Muskeln spielen. Dennoch ist die Grafik insgesamt nur biederer Durchschnitt, da die Hintergründe sehr einfach aussehen, ohne detaillierte Texturen daherkommen und nicht auf Dauer langweilig werden. Ähnliches gilt für die Soundkulisse, die zwar passende Melodien und Soundeffekte liefert, aber viel zu abwechslungsarm ausfällt, da erwarte ich bei so eine Zerstörungsorgie doch viel mehr in Sachen Sound, der die Atmosphäre gerade bei so einem Spiel wie diesem hier deutlich mehr verdichten muss.


Unkompliziert, anfangs auch unterhaltsam und mit zahlreichen Missionen versehen, macht „The Incredible Hulk – Ultimate Destruction“ anfangs eine gute Figur. Der positive Eindruck schwächt sich aber mit zunehmender Spieldauer immer mehr ab, was vor allem am sehr monoton werdenden Spielverlauf durch die mangelnde Abwechslung und das total sinnfreie und somit anspruchslose Geklöppe sowie die nur mäßige Präsentation in Sachen Grafik und Sound liegt. Da muss es einfach bei der geballten brachialen Action wie dieser hier weitaus mehr krachen. Spielspaßwertung: 60%.



PLUS --> Massig Missionen, unkompliziert, anfangs wunderschön sinnfreie Zerstörungsorgie...


MINUS --> ... bald aber extrem langweilig: keine Abwechslung, null Anspruch bzw. taktische Elemente, mäßige bzw. zu brave Präsentation in Sachen Grafik als auch Sound, kein Multiplayer


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Details zum Spiel

Hersteller:
Sega
Entwickler:
Edge of Reality
Genre:
Action
Release:
13.6.2008
Plattformen:
PlayStation 2, PlayStation 3, Xbox 360, Wii, Nintendo DS, Windows
Spieler:
1
Multiplayer:
Nein
USK:
Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG

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